Der Wiederaufbau des Gran Teatro La Fenice in Venedig nach Plänen von Aldo Rossi

1997 - 2003
Umbaukosten ca. 80 Millionen Euro

"Com'era, dov'era"

Das berühmte Opernhaus von Venedig, das Gran Teatro La Fenice, ist am 29. Januar 1996 bis auf die Außenmauern abgebrannt. Noch in der Unglücksnacht verkündeten die Stadtväter, dass die Fenice wieder aufgebaut werden sollte - wie sie war und wo sie war, "com'era, dov'era". Der interpretatorische Spielraum dieses Mottos blieb allerdings bis heute der Inhalt heftigster Diskussionen.

Da der Brand alle Spuren verwischt hatte, blieben von der Fenice nur Pläne und Fotografien - und die Erinnerung als Zeuge einer versunkenen Welt. Für die reich dekorierten Säle gab es sogar gleich zwei Entwurfzeichnungen, denn die Fenice ist im Jahr 1836 schon einmal abgebrannt. Damals bekam die Fenice ihren heutigen Namen - La Fenice bedeutet in der italienischen Sprache die Phönix, der Vogel, der aus der Asche stieg. So existieren heute sowohl die ursprünglichen Pläne des Architekten Giannantonio Selva aus dem Jahr 1792, wie auch die Umbaupläne von Giovan Battista Meduna aus dem Jahr 1836. Beide Pläne spielten bei dem Wiederaufbau der Fenice eine wichtige Rolle.

Das Gewinnerprojekt des Wettbewerbs, der 1997 für die Fenice ausgeschrieben wurde, ist von Aldo Rossi. Ein halbes Jahr nach dem Wettbewerb starb Aldo Rossi. Nach seinem Tod wurde seine Idee zum Wideraufbau der Fenice durch die Arassociati, Milano realisiert. Rossi war davon überzeugt, dass auch eine detailgetreue Rekonstruktion immer mit einer persönlichen Note versehen werden muss. In seinen Augen war jede Rekonstruktion gleichzeitig auch eine Konstruktion, in der die Gegenwart mit der Vergangenheit verknüpft wird. Rossi sagte:

"Auch wenn sich das Projekt detailgetreu an die Wettbewerbsunterlagen hält, kann es sein Leben nur aus einer persönlichen Interpretation gewinnen und aus dem Glauben, dass die Rekonstruktion eine eigene Geschichte assimilieren kann. Deshalb ist diese Arbeit nicht als ein Heilprozess eines Desasters zu begreifen, sondern als die Wiederherstellung eines Denkmals der Stadt Venezia."

So wollte Rossi die Spuren der Geschichte bewahren und die Tradition mit der Moderne verbinden. Der Wiederaufbau der Frauenkirche in Dresden zum Beispiel ist ein architektonisches Vorhaben, das genauso dieses Ideal verfolgt.

Die neue Fenice

Der Wiederaufbau der Fenice wurde dazu genutzt, das Opernhaus an die funktionellen, akustischen und sicherheitstechnischen Standards von heute anzupassen. Als "persönliche Note" der Fenice wird der Probesaal "Sala Rossi" eingeführt. Auch wird der gesamte Turm mit einer neuen Bühnentechnik ausgestattet.

In meinem Verantwortungsbereich liegt die Rekonstruktion des dekorativen Apparates. Die von mir erarbeiteten Zeichnungen haben sowohl die ersten Entwürfe Aldo Rossis, als auch die darauffolgende Realisierungsphase begleitet. Mit genauesten Vorgaben von Farbnuancen und Formgebungen der Dekorationen wurde die Arbeit der Handwerker bestimmt. Die Tiefe des Ausdrucks und die Einzigartigkeit der reichen Verzierungen setzten wie erläutert eher eine Konstruktion als eine Rekonstruktion voraus.

Dekorationen aus Stuck und Holz sowie Wandflächen aus Marmorino und Stoffverkleidungen mussten hergestellt werden. Das verlangte von den Handwerkern die hohe Kunst, aus einfachen Materialien etwas Kostbares und Nobles zu schaffen. Acht großformatige Zeichnungen im Maßstab 1:20 mit genauen Angaben der Farbstrukturen und unzählige Details im Maßstab 1:1 bildeten das Korpus der Ausführungplanung für die Handwerker.

Im Jahr 2001 begann der Wiederaufbau des Gran Teatro La Fenice. Am 14. Dezember 2003 wird die Fenice wieder eröffnet mit Beethovens "Weihe des Hauses".

Letzte Änderung: 09.12.2007 - © Marc Kocher 2003-2007