Ehemaliger Zentralviehhof, Friedrichshain, Berlin
Masterplan für ein Stadtquartier 1995/1996
Stadtentwicklungsgesellschaft Eldenaer Strasse
Realisierung 1996-2010

Im Schnittpunkt der Bezirke Prenzlauer Berg, Friedrichshain und Lichtenberg
liegt das Gelände des ehemaligen Schlachthofes von Berlin. Der 1881 noch
ausserhalb der Stadtgrenze eröffnete, bald aber von der sich ausdehnenden
Stadt eingeholte Central-Vieh- und Schlachthof, war eine der grössten
und modernsten Anlagen Europas. Die Hallen, die im Krieg erhebliche Schäden
erlitten, wurden im geteilten Berlin vom Fleischversorgungs- und Baustoffversorgungskombinat
noch bis zum Jahre 1990 genutzt. Nach deren Liquidation entwickelte sich
das Areal schnell zu einer Industriebrache mit städtebaulich ungeordneten
und eher zufällig in die wegen ihrer Baufälligkeit billig anzumietenden
Hallen drängenden Nutzungen.
Im Rahmen der Bemühungen, die ehemals geteilte Stadt schnell wieder zur
Hauptstadt Deutschlands und einer internationalen Metropole werden zu
lassen, hat der Senat von Berlin frühzeitig das Potential des Schlachthof-Geländes
erkannt und die Umnutzung zu einem attraktiven und lebendigen neuen Stadtquartier
untersuchen lassen. Die vorliegenden Zeichnungen geben eine Vorstellung
dieser zukünftigen Nutzung.

Ich liebe die Fragmente des ehemaligen Zentralviehhofes, Teile einer
kleinen verlassenen Stadt im Südosten des Bezirkes Prenzlauer Berg. Ich
liebe das Geheimnisvolle der Hallen und Häuse mit offenen und glaslosen
Fenstern und Türen, den verstreut herumliegenden Gegenständen deren Bedeutung
und Gebrauch uns verborgen bleibt. Diese Fragmente helfen, den Ort zu
rekonstruieren, Neues hinzuzufügen und daraus eine Stadt zu gestalten,
die sich wie aus Schleiern zu Bildern verdichtet. Diese Bilder setzen
sich aus vielen Teilen zusammen, sie enthalten einfache und genau umrissene
Funktionen, aber auch Gebräuche, die das Leben in der Stadt mit sich bringen,
wie das Spielen der Kinder, den Einkaufsbummel oder das Flanieren in den
Strassen.

Eine der Besonderheiten der Stadt Berlin ist ihre ungeheure Ausdehnung,
sie greift weit ins Land und ihr Horizont liegt weit ab vom Betrachter.
Sie ist eine Stadt vieler Städte. Aus einer Industriebrache mit Rudimenten
überkommener Nutzung entsteht eine kleine Stadt mit Qualitäten der historischen
Stadt die ihre Formensprache zitiert, sie zugleich aber in etwas Neues
transformiert, das im alten angelegt war sich aber noch keine Geltung
verschaffen konnte. Alles Neue folgt einem alten Bedürfnis, hier ist es
die Vision einer bewohnbaren Stadt in der Stadt. Es gilt, in moderner
Transformation die verlorenen Qualitäten der historischen Stadt Berlin
zu erinnern: die Wohnhöfe der Reformmiethauses des beginnenden Jahrhunderts
mit ihren parkähnlichen Anlagen, die städtischen Siedlungen Bruno Tauts,
die noblen Fassaden des bürgerlichen Mietshauses, die den Aussenraum zum
würdigen Innenraum der Stadtbewohner werden lassen.

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