Stadtschloss Berlin
Wettbewerbsbeitrag für Eingeladene
Museum der bildenden Künste
Ausstellung im Georg-Kolbe-Museum
August 2002
Mit Helmut Geisert
Am Ende der monumentalen Prachtstrasse "Unter den Linden" gleich gegenüber
der Museumsinsel stand das Berliner Stadtschloss. Dessen Zerstörung durch
die Bomben war so gross, dass sich die Regierung 1952 entschloss, die
Überreste zu sprengen und durch den "Palast der Republik" und einer Art
Paradeplatz zu ersetzen. Darunter, nicht sichtbar, gleichsam wie unter
einem verstaubten Glaskasten ruhen die Grundmauern.

Die archäologische Stadt Rom und ihre sichtbar gewordenen Ausgrabungen,
der natürliche Bezug zwischen ihren Ruinen und der pulsierenden Stadt
liefert den Hintergrund der Projektidee: die Grundmauern des Schlosses
sollen freigelegt werden und mit den teilweise ausgelagerten Steinresten
und Skulpturen ergänzt werden. Die so entstandene Ruine wird in eine
Parkanlage eingebettet und als Teil der für Berlin typischen Stadtgrünräume
begriffen. Der beschauliche und durchaus romantisierende Bezug zur Geschichte
begründet einen Ort des Verweilens und des Nachdenkens.

"L'architecture, c'est ce qui laisses des belles ruines" - Auguste Perret
"
Die Substanz und ihr verborgener Sinn einer kosmischen Tragik erklärt
sich in der Ruine. Wenn uns die Empfindung der Ruine in den Schatten der
Wehmut rückt und sie uns als die Rache der Natur für die Vergewaltigung
durch den Geist erscheint, dann wäre ihre Rekonstruktion eine dem Ort
angemessene Geste der Versöhnung. Die Stellung der Ruine zwischen dem
"Nochnicht" und dem "Nichtmehr" deutet auf eine Richtung, die in der Existenz
des Zerstörten angelegt war. Sie erscheint in einem Garten mit der ihre
Idee immer verbunden bleibt und dem sie ihre Existenz verdankt, einem
Ort ohne Geschichte in einer Zeit der Vorgeschichte. Der Bau der Ruine
des Stadtschlosses am originalen Ort gründet sich auf erhaltene und zu
ergänzende Bauteile, die konstruktiven Prinzipien entsprechen den historisch
überkommenen. Das Projekt ist nicht als Rekonstruktion zu deuten, es ist
ein architektonischer Entwurf."
Helmut Geisert

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